Kopfschmerzen & Migräne bei Kindern und Jugendlichen verstehen

Veröffentlicht am: 13. Januar 2026

Wenn der Kopf nicht stillhält

Kopfschmerzen & Migräne bei Kindern und Jugendlichen – ein ganzheitlicher Elternratgeber

Ein Fall aus dem Alltag

„Mama, ich hab schon wieder Kopfschmerzen.“
Lena ist 9 Jahre alt. Es ist Dienstag, 16 Uhr. Die Schule ist vorbei, die Hausaufgaben stehen an. Zum dritten Mal in dieser Woche zieht sie sich zurück, hält sich den Kopf, ist gereizt und müde. Die Eltern fragen sich: Ist das noch normal? Drückt sie sich vor den Aufgaben? Oder steckt mehr dahinter?

Viele Familien kennen diese Situation. Kopfschmerzen bei Kindern werden oft unterschätzt – oder vorschnell als Stress oder Wachstumsschmerz abgetan. Dabei brauchen sie vor allem eines: ernst genommen zu werden und eine sorgfältige, ganzheitliche Betrachtung.

Schritt 1: Ist es „nur“ Kopfschmerz – oder Migräne?

Bevor man etwas verändern oder behandeln kann, ist es entscheidend, genauer hinzuschauen.

Häufige Kopfschmerzformen im Kindesalter

Spannungskopfschmerzen
• dumpf, drückend, oft wie ein enger Ring um den Kopf
• meist beidseitig
• häufig nach Schule, Bildschirmzeit oder bei Stress
• keine Übelkeit

Migräne
• pulsierend, stärker, oft einseitig
• Licht‑ und Lärmempfindlichkeit
• Übelkeit, Bauchschmerzen, Rückzug
• manchmal mit Vorboten (Müdigkeit, Reizbarkeit)

👉 Diese Unterscheidung ist wichtig, denn Migräne ist eine neurologische Erkrankung, kein „starker Kopfschmerz“.

Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Muster zu erkennen: Wann treten die Schmerzen auf? Wie lange dauern sie? Was hilft – was nicht?

Ein Schmerztagebuch findest Du am Ende des Artikels. 

Schritt 2: Ganzheitlich hinschauen – der Körper spricht mit

Kopfschmerzen entstehen selten „einfach so“. Gerade bei Kindern lohnt es sich, mehrere Ebenen zu betrachten:

💤 Schlaf – mehr als nur genug Stunden

• Welche Schlafposition hat dein Kind?
• Ist das Kopfkissen altersgerecht (nicht zu hoch, nicht zu weich)?
• Wird der Nacken abgeknickt oder überstreckt?
• Gibt es nächtliches Zähneknirschen oder unruhigen Schlaf?

Ein ungünstiges Kissen oder eine dauerhafte Fehlhaltung im Schlaf kann Nacken‑ und Kiefermuskulatur dauerhaft verspannen – ein häufiger Auslöser für Kopfschmerzen.

😬 Kiefer, Zähne & Spannung

Der Kiefer ist ein oft übersehener Schlüsselbereich.

• Presst oder knirscht dein Kind mit den Zähnen?
• Wirkt der Kiefer häufig angespannt?
• Gibt es Auffälligkeiten beim Zahnwechsel oder in der Zahnstellung?

Kiefer‑, Schädel‑ und Nackenmuskulatur arbeiten eng zusammen. Dauerhafte Spannung kann sich direkt als Kopfschmerz zeigen.

Hier kann eine Abklärung bei Zahnärzt:innen, Kieferorthopäd:innen, Osteopath:innen oder spezialisierten Therapeut:innen sehr sinnvoll sein.

🧍‍♀️ Hals‑, Nacken‑ & Schultermuskulatur

Kinder sitzen heute viel – oft zu viel.

Wichtige Fragen: • Gibt es eine auffällige Haltung (vorgezogene Schultern, Rundrücken)?
• Ist die Muskulatur eher zu angespannt (Hypertonie) oder sehr weich und instabil?
• Besteht eine Überbeweglichkeit, die zu schneller Ermüdung führt?

Physiotherapeutische oder osteopathische Befunderhebungen können hier wertvolle Hinweise liefern – gerade bei wiederkehrenden Schmerzen.

💧 Trinken & Versorgung

Ein scheinbar banaler, aber extrem häufiger Faktor:

• Wie viel trinkt dein Kind wirklich – über den Tag verteilt?
• Wasser oder überwiegend Saft / süße Getränke?
• Gibt es lange Phasen ohne Flüssigkeit in der Schule?

Auch die Ernährung spielt hier eine zentrale Rolle: unregelmäßige Mahlzeiten, starke Blutzuckerschwankungen oder ein Mangel an wichtigen Nährstoffen können Kopfschmerzen zusätzlich begünstigen.

Schon leichte Dehydrierung oder eine unausgewogene Versorgung können Kopfschmerzen auslösen – besonders bei aktiven oder sensiblen Kindern.

 

Schon leichte Dehydrierung kann Kopfschmerzen auslösen – besonders bei aktiven oder sensiblen Kindern.

Schritt 3: Psyche & Leistungsdruck – das Unsichtbare sichtbar machen

Viele Kinder stehen heute unter enormem Druck: • schulische Erwartungen
• eigener Perfektionismus
• Angst zu versagen
• soziale Spannungen

Nicht selten äußert sich emotionaler Druck körperlich – der Kopf wird zum Ventil.

Hier kann therapeutische Begleitung sehr hilfreich sein: • Verhaltenstherapie
• Stress‑ und Emotionsregulation
• Stärkung von Selbstwert & Selbstwahrnehmung
• kindgerechte Entspannungsverfahren

Wichtig: Kopfschmerzen sind kein „Einbildungsproblem“, sondern ein ernstzunehmendes Signal.

Schritt 4: Was Eltern konkret tun können

✔ Struktur & Schlafhygiene

• feste Schlafenszeiten
• abendliche Bildschirmreduktion
• ruhige Rituale vor dem Einschlafen

✔ Bewegung & Ausgleich

• tägliche Bewegung an der frischen Luft
• Ausgleich zu sitzender Tätigkeit
• altersgerechter Sport ohne Leistungsdruck

✔ Entspannung lernen

• Atemübungen
• kurze Entspannungssequenzen
• Körperwahrnehmung stärken

✔ Frühzeitig Hilfe holen

Wenn Kopfschmerzen regelmäßig auftreten, Schule oder Alltag beeinträchtigen oder dein Bauchgefühl sagt „da stimmt etwas nicht“, ist das kein Zeichen von Überfürsorge, sondern von guter Elternschaft.

Wann unbedingt ärztlich abklären?

• plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen
• nächtliches Erwachen durch Schmerzen
• neurologische Auffälligkeiten
• zunehmender Medikamentenbedarf

Videos zum Thema (zur Vertiefung)

Das Kopfschmerz‑1×1 | Fast Forward Science
https://www.youtube.com/watch?v=0yf6a3cRyvY

Spannungskopfschmerz – Hab ich im Griff!
https://www.youtube.com/watch?v=9HFumhEaMoM

Migräne – Hab ich im Griff!
https://www.youtube.com/watch?v=eWXd9shL3JE

Quelle & © Videos:
Deutsches Kinderschmerzzentrum

Unterstützung für dein Kind

Wenn dein Kind unter wiederkehrenden Kopfschmerzen oder Migräne leidet und du dir eine fundierte, individuelle Einschätzung wünschst:

👉 Buche gern eine kostenfreie Videosprechstunde.
Gemeinsam schauen wir, welche Faktoren eine Rolle spielen und wie dein Kind gezielt unterstützt werden kann – körperlich, emotional und alltagsnah.

Zum Schluss – eine wichtige Botschaft

Du bist nicht allein. Viele Familien gehen diesen Weg. Und ja: Es braucht manchmal Geduld, mehrere Blickwinkel und Zeit. 

© Text: Kerstin Ullrich

Schmerztagebuch © www.dmkg.de

Heilpraktikerin für Psychotherapie Kerstin Ullrich

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